HNA: Landflucht und Leerstand

Einwohnerzahl sinkt weiter – Immer mehr Wohnungen und Häuser unbewohnt

Uslar. Die Einwohnerzahl im Uslarer Land schrumpft weiter. Das beweisen die aktuellen Zahlen aus dem ersten Halbjahr 2008. Danach ist die Einwohnerzahl in Uslar mit seinen 19 Ortsteilen erneut zurückgegangen: Von 15664 zum Jahresende 2007 auf 15525. Das sind 139 Einwohner weniger.

Zu dem Thema hat sich nach unserem Bericht „Die Dörfer bluten aus“ auch bei HNA-online eine rege Diskussion entwickelt.
Die Auswirkungen der zurückgehenden Einwohnerzahlen, nämlich immer mehr leer stehende Häuser und Wohnungen, bestätigten auf Anfrage auch die Immobilienabteilungen der Volksbank Solling und der Kreis-Sparkasse Northeim sowie das Katasteramt, das zur Behörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften (GLL) gehört.

Eine Sprecherin des Gutachterausschusses, der für die Gebäudebewertung verantwortlich ist, bestätigte die Abwärtsentwicklung im Uslarer Land: Es gibt keine neuen Baugebiete mehr, weil kaum Nachfrage bestehe. Beispiel Volpriehausen: Im Neubaugebiet Papenfeld stehe erst ein Haus.
In den Dorfkernen mit vielen landwirtschaftlichen Anwesen halte der Trend an: Es fehlten oft die Nachfolger auf den Höfen. Das bedeute: Die Gebäude bleiben zwar stehen, weil es aber niemanden mehr gibt, der sich kümmert, seien sie schlecht zu vermarkten. Es drohe ihnen das Schicksal, als Bauruine zu enden.

Auch die Immobilien-Preise purzeln im Vergleich zu Oberzentren wie Göttingen. Im Landkreis Northeim verzeichnet die Behörde eine negative Entwicklung bei den Baupreisen, ebenso im Landkreis Osterode. In Göttingen steigen die Baupreise dagegen. Erkennbar seien für Regionen wie das Uslarer Land auf jeden Fall sinkende Käufernachfragen.

Die Kreis-Sparkasse Northeim (KSN) stellt für das Uslarer Land auf dem Gebiet des Immobiliengeschäfts fest: Die Zahl der Leerstände bei Mietshäusern steige, und die Preise für gebrauchte Immobilien sinken, berichtet Vorstandsvorsitzender Hans-Joachim Röwer. Hauptursache dafür ist nach Angaben von Röwer die Lage weitab von den Mittel- und Oberzentren mit Arbeitsplätzen.

Wer dorthin fahren muss, wird zurzeit enorm durch die hohen Energiekosten belastet. Deshalb halte die Entwicklung an, dass die Menschen in die Nähe der Mittelzentren ziehen.

Entfernung vom Arbeitsplatz

Den Trend bestätigte auch Klaus Fröhlich von der Volksbank Solling. Er sei abhängig von der Entfernung zum Arbeitsplatz und daher immer für jeden Ort anders zu bewerten. Bestätigt hat Fröhlich auch die Preisentwicklung bei Immobilien: Je weiter weg sie von Oberzentren wie Göttingen liegen, desto weniger seien sie wert.

Von Frank Schneider

Die Einwohnerzahlen aus dem Uslarer Land
Die Entwicklung der Einwohnerzahlen im Uslarer Land mit der Kernstadt und 19 Ortsteilen.

1992: 17 099
1993: 17 573
1997: 17 063
1998: 16 891
2005: 16 114
2006: 15 910
2007: 15 664
31. Juni 2008: 15 525

Hier die Zahlen vom 30. Juni 2008 aus den Ortsteilen (in Klammern die vom Jahresende 2007):
Allershausen: 638 (635)
Ahlbershausen: 173 (176)
Bollensen: 508 (511)
Delliehausen: 536 (545)
Dinkelhausen: 374 (377)
Eschershausen:514 (513)
Fürstenhagen: 382 (386)
Gierswalde: 355 (368)
Kammerborn: 275 (282)
Offensen: 353 (351)
Schlarpe: 477 (477)
Schönhagen: 1067 (1073)
Schoningen: 940 (943)
Sohlingen: 632 (641)
Uslar: 5813 (5881)
Vahle: 253 (263)
Verliehausen: 398 (392)
Volpriehausen: 1225 (1230)
Wiensen: 612 (620)
Insgesamt: 15525 (15 646)