GbR Gesellschafterversammlung vom 11.07.2008

Öffentliche Gesellschaftsversammlung vom 11.07.2008

Auf der öffentlichen Gesellschaftsversammlung am 11. Juli 2008 im Dorfgemeinschaftshaus Sohlingen, konnten die Vertragsentwürfe des Biomasseliefervertrages und des Wärmekundenvertrages 21 anwesenden Gesellschaftern und ca 30 weiteren interessierten Zuhörern vorgestellt werden. Die Verträge wurden einstimmig beschlossen.

Uslar aktuell! Ein Bericht von Christina Junginger

Sohlingen (cj). Bei der Gründungsversammlung der “Bioenergiedorf Sohlingen GbR” wurden durch die Gründungsmitglieder eine Planungsgruppe und eine Geschäftsführung gewählt worden. In die Geschäftsführung wurde Albert Borchert (Malermeister), Nico Michalak (Dipl. Wirtschaftsinformatiker) und Jörg Gebauer (Landwirt) gewählt. Unterstützt durch Volker Ruwisch (Dipl. Kaufmann und Mitglied der Projektgruppe Bioenergiedörfer der Univ. Göttingen) sowie Karl Fricke jun. aus Schoningen (Berater der LBB Northeim-Uslar).

Mit der ersten finanziellen Einlage der Mitglieder wurde in der Zwischenzeit an der Vorbereitung der weiteren Planung und eines Wärmekundenvorvertrages gearbeitet.

An der öffentlichen Gesellschafterversammlung der “Bioenergiedorf Sohlingen GbR”  am vergangenen Freitag, hatten ca. 50 Sohlinger teilgenommen. Ziel der Versammlung war nun, die Mitglieder der Gesellschaft und die interessierten Bürger über den Planungsstand zum Projekt “Bioenergiedorf Sohlingen” zu informieren und die in den letzten Wochen mit externen Partnern ausgearbeiteten Vertragsentwürfe für Wärmekunden vorzustellen und gegebenenfalls zu einen definitiven Entwurf für einen Wärmekundenvorvertrag umzuformulieren. Am Ende der Versammlung wurde ein kleines Textfragment in dem Vertragsentwurf angepasst, so dass nun die Haushalte in Sohlingen gegen Ende dieser Woche, den Vorvertrag, inklusive den Anpassungen, in ihrem Briefkasten erwarten können. Interessierte Sohlinger Hausbesitzer haben damit die Möglichkeit sich als Bioenergie-Nahwärmekunden vormerken zu lassen. Ob Sohlingen definitiv Bioenergiedorf wird oder nicht, ist weiterhin abhängig von der Anzahl der beieinander liegenden, für das Nahwärmenetz zu realisierenden Anschlüsse. In Wärmekundenvorverträge sollen für die weitere Planung verbindliche Zusagen gemacht werden. 

Zu Beginn gab die Geschäftsführung eine Übersicht über die prognostizierten Kosten der Bioenergie für den Wärmenetzkunden, bei der entsprechend rentablen Anzahl Anschlüsse im Vergleich zu den Kosten für das Heizen mit Heizöl oder Gas, auf Basis der aktuellen Preisentwicklungen. Ausgangsbedarf für die Berechnung im Vergleich waren die entsprechenden Energiewerte der unterschiedlichen Wärmelieferanten. Für Heizöl wurde dabei von einem durchschnittlichen Jahresbedarf pro Haushaushalt von 3000 Liter und einer Laufzeit der Heizung von 20 Jahren ausgegangen. In der Berechnung inbegriffen waren Abschreibungs- und Wartungskosten. Insgesamt ergab sich aus dem Vergleich, dass das Heizen mit Bioenergie aus dem Nahwärmenetz, für den Wärmekunden günstiger ist. Bei einem Heizölverbrauch von 3000 Liter, kostet das Heizen mit Öl inkl. Abschreibung und Wartung, verteilt über 20 Jahre, jährlich 3.667 Euro; die Kosten für die gleiche Wärmeleistung über das Bioenergie-Nahwärmenetz, wobei von einer Abschreibungszeit von 25 Jahren ausgegangen wird, kostet demgegenüber in der Kalkulation der Geschäftsführung 2.958 Euro.

Um an dem Bioenergie-Nahwärmenetz angeschlossen zu werden, ist die Mitgliedschaft in der GbR erforderlich, inkl. der Zahlung eines Anteils in Höhe von ca. 4000 Euro. Die Anschlusskosten werden dann anteilig verteilt. Bis zum Anschlusspunkt trägt die Kosten für die Leitung die GBR; hausintern übernimmt der Hauseigentümer die Kosten. Abhängig von der Länge des hausinternen Leitungsbedarfs, fallen für den Hauseigentümer hierfür 1500 bis 3000 Euro an, geht aus den Berechnungen hervor.

Neben der direkten Kostenersparnis bietet die mit Nahwärme gespeiste Heizung weitere finanzielle Vorteile: 1. Die Hausversicherung wird günstiger, da im Haus kein Öllager vorhanden ist. 2. Ein Raum im Haus kommt wieder zur  Verfügung. 3. Die finanzielle Belastung wird gleichmäßig über das Jahr verteilt. Und 4. “Die Wertschöpfung bleibt im Ort.” (Jörg Gebauer)

Volker Ruwisch, der das Versuchsprojekt Bioenergiedorf Jühnde als Mitarbeiter der Univers. Göttingen begleitet, hob hervor, dass sich die Umstellung auf Nahwärme bereits nach 3,5 bis 4 Jahren lohne. Die GbR in Jühnde habe bereits nach drei Jahren einen Überschuss erwirtschaftet: “89% der Jühnder ist sehr zufrieden, 10,7% ist zufrieden und 0% ist  mit der Bioenergie-Nahwärme unzufrieden. Man muss den Mut haben, um anzufangen.”

Abhängig von dem Rücklauf der Wärmekundenvorverträge, entscheiden sich die folgenden Planungsschritte für das Projekt “Bioenergiedorf Sohlingen – ja oder nein”.

Die nächste Gesellschafterversammlung der „Bioenergiedorf Sohlingen GbR“, ist für September geplant.